Typografie ist das Gesicht des Textes. Jede Schrift hat ihre eigene individuelle Anmutung und erhält, auch wie sie gesetzt und angeordnet wird, eine eigene Aussage. Diese muss dem Inhalt und der Funktion des Textes entsprechen. Die typografische Gestaltung richtet sich nicht nur nach Kriterien der Leserlichkeit bzw. Verständlichkeit, sondern sie transportiert ebenso Informationen über die zeitliche, politische, soziale und kulturelle Identität unserer Gesellschaft.
Der Typografie kommt neben der Fixierung von Sprache also eine weitere Funktion zu. Der Einsatz typografischer Zeichen im konkreten Gebrauch führt nämlich zwangsläufig zu deren Semiotisierung. Typografie macht sich die unweigerliche Zeichenbildung beispielsweise im Kontext von Werbung und Markenzeichen gezielt zunutze. Als Mittel der Inszenierung und Kommunikation von bestimmten Inhalten dient eine zielgruppen- und trendorientierte Typografie. Jede Schriftform vermittelt Assoziationen und erhält dadurch eine eigene Bedeutungs- und Wirkungsebene. Wie oft wird der Rezipient dazu motiviert die typografische Verpackung zu kaufen, ohne irgendetwas über den Inhalt zu wissen? Farben suggerieren immer gleiche Stimmungen und Schriften scheinen für bestimmte Produkte reserviert zu sein. Doch die Branchen und Medien vermischen sich zunehmends. Schrift gilt nicht mehr als Unterscheidungsmerkmal.
Die Schriftfamilie rotis von Otl Aicher ist von diesem Zustand geprägt. Sie lässt sich keiner bestimmten Kategorie oder Branche zuschreiben. Wobei sie eine Schrift ist, die durch ihre Anmutung und ihren einprägsamen Einzelbuchstaben auch von Nicht-Typografen erkannt werden kann. Dadurch nimmt sie eine besondere Stellung ein und wird deshalb für die Untersuchung herangezogen.
Diese Untersuchung beinhaltet eine umfassende Dokumentation der Verwendung und Einsatzgebiete der rotis und versucht diese anhand von » Meinungsumfragen auf ihre Funktionalität hin zu überprüfen. Dabei werden sowohl Laien, als auch Gestalter zu ihren Eindrücken befragt. Um ein möglichst breites Spektrum an Meinungen zu erfassen gibt es neben einer Publikation ein » Internetforum, das die Probleme der Schriftwahl zum Diskussionsgrund erhebt.